Portrait

Jana Wenge

Journalistin

Köln


Jana Wenge schreibt u.a. für Eyewear, Qvest und newsfororiginalgirls.com. Sie liebt die Mode und die Kunst und würde am liebsten jedes Land dieser Erde bereisen.

 

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Dallas

Dallas - Eine Seifenoper rund um Familienknatsch, Intrigen und Machtkämpfe in einer texanischen Öldynastie. Meine Mutter, eine eigentlich sehr gebildete Frau, war süchtig nach dieser Schnulzserie, als sie mit mir schwanger war. Sie schiebt es auf die Hormone, dass sie jeden Dienstag heulend vor der Glotze saß. So assoziierte ich mit dem Tropfen auf dem Bild immer eine Träne, obwohl der Künstler, Albert Exergian, in seiner Grafik einen Öltropfen darstellt. Der Österreicher hat so übrigens alle amerikanischen TV-Serien "piktogrammisiert".

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Skelett

Mich fasziniert der spielerische Umgang der Mexikaner mit dem Sterben. Sie sehen Leben und Tod als einen Kreislauf an, in dem das Leben nichts weiter darstellt, als eine Übergangsphase zu weiteren Daseinsformen. Vor dem Totenfest am 2. November, das in Mexiko als farbenprächtiges Volksfest gefeiert wird, gibt es in allen Geschäften Skelette aus Draht, Holz oder Pappmaché zu kaufen. Ich habe dieses bemalte und grob geschnitzte Holzskelett zwar nicht aus Mexiko, aber aus einem kleinen mexikanischen Laden in Barcelona. Ich kann es nicht erklären, aber es hat eine ganz besondere, fast magische Wirkung auf mich und ich freue mich jedes Mal, wenn ich es anschaue.

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Lampe

Ich bin ein großer Fan von Vintage-Klassikern aus den 60er- und 70er-Jahren. Diese Stehlampe stand bereits in der Studentenbude meines Vaters, dann in der ersten gemeinsamen Wohnung meiner Eltern, danach in meinem Elternhaus und schließlich in jeder einzelnen meiner sieben Wohnungen. Ein Bekannter von mir, der in eine Wohnung über mir gezogen war, hatte sich die Lampe einmal ausgeliehen, als er noch keine Deckenlampen besaß. Als er daraufhin mehrere Tage nicht erreichbar war und auch auf mein Bittflehen, meine geliebte Stehlampe zurückzubringen, nicht reagierte, habe ich ihm per Mailbox körperliche Gewalt angedroht.

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Lok

Diese alte Märklin-Lok hat einen ganz besonderen Wert für mich. Sie gehörte meinem Vater. Ich kann mich noch zu gut daran erinnern, als eines Tages Fahrräder und Vespas modellierten Bergen und Wäldern, Tunnel und Trassen, Dörfern und Miniaturbahnhöfen weichen mussten. Mein Vater hatte im Hobbyraum seine Märklinbahn auf sich kreuzenden Schienenwegen aufgebaut. Ich will an dieser Stelle eindrücklich betonen, dass er keineswegs zu den seltsamen Männern gehörte, die mit glänzenden Augen und der Mini-Klebstofftube in der Hand, einzelne Bäumchen zusammenklebten, aber diese Lok erinnerte ihn an seine Kindheit. Und mich erinnert sie an den einzigen richtigen Tadel, den ich jemals von meinem Vater erfuhr, als ich sie versehentlich auf den Tisch fallen ließ. Heute hat sie einen geschätzten Platz in meinem untersten Regal. Sie wird mir nie wieder herunterfallen.

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Fotoalbum

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welchen Gegenstand ich wohl aus meiner Wohnung retten, wenn es brennen würde. Wahrscheinlich wäre es dieses Fotoalbum. Gesammelte Erinnerungen, angefangen von meinem 11. Lebensjahr an bis heute. Die kleinen Karten auf dem Buchrücken sind positive Charaktereigenschaften, die mir meine Klassenkameraden einst bei einem Spiel zuordneten. Ein von so vielen wunderschönen Wörtern umschmücktes Buch mit unschätzbarem Wert.