Portrait

Julia Landsiedl

Designerin

Wien


Julia Landsiedl ist gelernte Produktdesignerin und studierte Juristin. Sie entwickelt Objekte, Produktwelten und Servicekonzepte. In ihrer freien Arbeit beschäftigt sie sich mit Eigenarten von Menschen und Materialien. Sie hat eine Vorliebe für Komposition, räumliche Installationen, Farben und Miniaturen. Nach Berlin, Zürich und Silicon Valley lebt sie heute in Wien, wo sie 2011 als erste Designerin in Residence im MAK Museum für Angewandte Kunst die Ausstellung "Das große Kaffeehaus-Experiment" gestaltete.

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Visitenkartenfisch

Dieser Fisch steht auf meinem Schreibtisch. Er ist aus Keramik (also zerbrechlich), hält drei bis vier Visitenkarten (maximal) und ist orange (mag ich nicht). Über meine Schwester hat er seinen Weg zu mir gefunden. Subtile Gestaltung? Von wegen. Ich liebe ihn. So wie er ist.

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Wienerinnenbuch

Dieses schmale Büchlein erspart mir viel Reden. In Leinen gebunden, mit einer Kutsche bedruckt, erklärt es Gästen der Stadt lokale Phänomene, die ich auch als gebürtige Wienerin nicht erklären kann. 1966 von Jörg Mauthe, einem östereichischen Schriftsteller, verfasst, war es eine Zeit lang das Give-away in einem eleganten Wiener Hotel. Ein halbes Jahrhundert später machen Hotels ihren Gästen ganz andere Geschenke. Die Texte funktionieren aber immer noch. Das freut mich.

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Chaiselongue

Die gelbe Chaiselongue war früher ein graues Tagbett. Auf dem hat mein Großvater täglich Mittagsschlaf gehalten. Er war Arzt. Ich habe nach der Schule einen Sommer lang im Krankenhaus gearbeitet – um dann entschieden eine Designerin zu werden. Als solche sitze ich am Abend manchmal auf meinem Erbstück und frage mich, was mein Großvater wohl dazu gesagt hätte.

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Ideale Familie

Die ideale Familie ist mir in San Francisco begegnet. Dort habe ich nach dem Studium gearbeitet. Eigentlich mag ich Ideale ja nicht. Trotzdem sind wir gleich zusammen gezogen. Mittlerweile leben wir gemeinsam in Wien, meiner Geburtsstadt. Hier fühlt sich manches ewig an. Die ideale Familie erinnert mich daran, dass es woanders auch ein Leben geben kann – ein anderes.

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Kaputtes Porzellan

Was gibt es Schöneres als eine Zuckerschale, die genau an der richtigen Stelle bricht?