Portrait

Karolina Stasiak

Art-Direktorin

Wien


Karolina Stasiak hat Kommunikationsdesign in Hamburg und Mailand studiert, war zuletzt u.a.

Art-Direktorin der Zeitschrift Max und arbeitet jetzt -

wenn sie nicht kocht - als freie Art-Direktorin im Bereich Editorial und Corporate Design für verschiede große Verlage und Medienagenturen in Deutschland und Österreich.

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Saab 900 Turbo

Die Firma Saab kommt aus Schweden, und ich wurde 1977 - wie mir zugeflüstert wurde - in Stockholm gezeugt. Ich habe mich in diesem Auto, das mich seit dem 25. März 1994 begleitet, als Kind übergeben, weil mir auf Reisen immer schlecht war. Ich habe später darin geraucht, getrunken, geschlafen, bin damit mit meinen Umzugskisten nach Mailand zum Studieren gefahren, habe jede Herbstferien in Südfrankreich darin erlebt, Jungs beeindruckt, Unfälle gebaut, stundenlange Gespräche darin geführt, besondere Menschen herumgefahren, habe es auf dem Autozug mit zum Arbeiten nach Wien genommen, geknutscht, geweint und irrsinnig laut Musik darin gehört.

Über 350.000 Kilometer haben wir schon gemeinsam geschafft. Vor allem aber erinnert mich noch heute der typische Saab-Sound an das Nachhausekommen meines Vaters am Abend. Das rechte Fenster lässt sich mittlerweile nicht mehr öffnen, die Anzeige "Check Engine" leuchtet ständig auf und den sich lösenden Stoff des Daches habe ich mit Reißzwecken fixiert.

Dafür kann ich nur mit diesem Auto, freihändig und nur mit dem linken Knie lenkend, morgens von St.Georg bis in die Schanze fahren. Und es landete durch einen geheimen Zufall endlich ganz bei mir.

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Rezeptbuch

Ich bin in einer kleinen, warmen, polnischen und stets gut duftenden Küche aufgewachsen, auf dem Arm meiner Großmutter. Die halbe Kindheit habe ich zwischen brodelnden Kochtöpfen und vollen Einmachgläsern verbracht. Besondere Gerichte verbinde ich heute mit besonderen Ereignissen und besonderen Menschen. Daher ist dieses Buch, das Rezepte, Kritzeleien, Notizen, Fotos, Weinflecken, Ölspritzer, Ideen und Illustrationen beinhaltet, mein persönliches Tagebuch der letzten zehn Jahre geworden – und der vier Länder und lieben Menschen, die mich kulinarisch geprägt und geformt haben. Jeden Monat kommt etwas Neues dazu. Darin zu blättern beruhigt und entspannt mich auf eine gewisse Weise und macht jedes Mal Lust auf ein Glas guten Rotwein, ein Stück Käse und inspiriert zu neuen Rezepten und Ideen. Irgendwann werde ich vielleicht ein richtiges Buch daraus machen. Und es meiner Großmutter widmen.

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Zeitschrift

Mit sechs Jahren habe ich diese kleine Zeitschrift gestaltet, noch unwissend, dass ich beruflich in dieser Branche tätig sein würde. Sehr beachtlich ist hierbei der höchst professionell gescribbelte Blindtext, der akkurate im goldenen Schnitt gehaltene Satzspiegel, das ausdruckstarke Logo "Kobieta i zycie" (auf deutsch: "Die Frau und das Leben"), der zur damaligen Zeit ordentliche Preis von 12 Zloty (2,90 Euro) sowie die prägnanten Zwischentitel wie "Byt oswaja swiadomosc" ("Existenz zähmt das Bewusstsein") und eine psychologische Reportage zum Thema "Matka i corka" ("Mutter und Tochter"). Meine Mutter hat diese kleine "Nullnummer" kurz nach meinem Studium aus ihrer Erinnerungskiste gegraben und mir grinsend übergeben.

 

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Licht

Diese einem Schuhkarton ähnelnde gelbe Lampe gehörte zu meinen allerersten eigenen Einrichtungsgegenständen und begleitet mich vom ersten Studenten-Zimmer bis heute. Sie ist klein, simpel und bringt durch einen kleinen Klick sofort Licht, Wärme und Geborgenheit in einen Raum, noch bevor irgendein Umzugskarton geöffnet worden ist. Sie passt ins moderne, rauhe Loft, in eine große Hamburger Altbauwohnung, in ein über einer Autowerkstatt gelegenes 11qm-Studenten-WG-Zimmer in Mailand sowie ins kitschige Wiener Barockzimmer und wurde dadurch (als eines der wenigen Möbelstücke) noch nie bei einem meiner vielen Umzüge vergessen.

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geschenkte Schuhe

Die Schuhe kamen als Letztes meiner fünf Dinge dazu, aus diesem Grund:

"Mein Hund kann drei Silben jaulen, wenn man sie dazu auffordert. Ruft man "Wie heißt der Schuh?", schon kommt, leider nur wenn gut gelaunt: "LOU...BOU...TIN". Das ist kein Scherz, das funktioniert wirklich. Meistens jedenfalls. Aber deshalb habe ich sie nicht verschenkt, die schönen Schuhe. Sondern weil ich mir sie darin vorgestellt habe, wie sie vor mir in diesen Schuhen geht. Sich bewegt. Und wie es sie freut, diese Schuhe zu tragen. Ihre Freude ist dann meine Freude.

Das ist mir dieser Schuh wert. Zwei Mal. Drei Mal. Vier Mal. Hundert Mal."

(C.P.)