Portrait

Katja Weiland von Ruville

Journalistin

Wien


Katja Weiland von Ruville arbeitet als freie Journalistin für verschiedene Magazine in Deutschland und Österreich, am liebsten über Mode.

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Kette

Als Kind bekam ich diese Kette von meiner Mutter geschenkt. Es gibt Fotos von ihr, jung und hübsch, da trägt auch sie diese Kette. Ich habe sie geliebt und niemals abgelegt. Bin mit ihr im Sommer über den kalten Rasensprenger gehüpft, bretterte mit ihr auf dem Fahrrad über den Asphalt und spielte manchmal gedankenversunken an ihr herum. Irgendwann muss ich sie doch abgelegt haben und sie verschwand. Ich suchte sie, immer wieder. Und fand sie schließlich vor ein paar Jahren, in einer Schachtel, in der ich zuvor schon zigmal gekramt hatte. Wirklich, ohne Scheiß. Das Herz ist mittlerweile etwas verbogen, doch das macht nichts. Es hat einfach viel erlebt und begleitet mich nun wieder.

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Lampe

Als ich von Hamburg nach Wien zog, nahm ich wenig mit. Möbel, Bücher, Kram – alles blieb vorerst an der Elbe. Doch dann hatte ich das Leben mit fremden Möbeln, Büchern, Kram satt. Also gingen wir in den schönsten Trödel- und Antiquitätenladen der Stadt, in dem man sich stundenlang verlieren kann, und kauften diese Lampe. Meine in türkis, seine in schwarz. Die ersten Möbelstücke für unsere Wohnung. Sie ist nicht nur wunderschön, sondern gab mir auch mein Zuhause-Gefühl zurück.

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Kissen

Ich liebe mein Kopfkissen. Es hat genau die richtige Größe und ist nicht so klein wie Kopfkissen komischerweise manchmal hier in Österreich sind. Es hat den perfekten Weiche-Grad und ein ideales Maß an Daunen. Es ist mein Garant für Nächte voller Schlaf. Die Matratze ist zu unbequem oder der Mond scheint ins Fenster? Kein Problem, hauptsache ich habe mein Kopfkissen. Wenn ich mit dem Auto verreise, nehme ich es mit. Nichts ist schlimmer als im Hotel auf einem viel zu kleinem, viel zu unnachgiebigem Schaumstoffknubbel zu schlafen. Da bette ich mein Haupt lieber auf zusammengelegten T-Shirts oder Pullovern. Ehrlich, ist alles schon vorgekommen. Es gibt natürlich auch Hotels mit einer Kissenkarte. Ein Traum! Doch bis es mich dahin verschlägt, bleibe ich meinem Kissen treu.

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Creme

Vor einigen Jahren schmierte mir eine Visagistin bei einem Shooting die Eight

Hour Cream von Elizabeth Arden auf die spröden Lippen. Zähflüssig und fettig pflegt sie seitdem meinen Mund, besonders im Winter vor dem Schlafengehen. Zugegeben, der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig. Er mag ihn nicht. Sagt, ich würde beim Küssen irgendwie nach Wald und Medizin schmecken. Doch das Ergebnis ist unschlagbar.

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Kamera

Sie liegt schwer in der Hand und macht einfach wunderschöne Fotos – wenn man weiß wie es geht. Doch daran scheitert es bei mir seit Jahren. Trotzdem gehört die alte Leica Spiegelreflex-Kamera meines Vaters zu meinen liebsten Schätzen. Schon als Kind war ich von ihr fasziniert, blickte durch den Sucher und knipste in Gedanken alles um mich herum. Danach legte ich sie wieder vorsichtig in ihr altes, wohlriechendes Lederetui. Mein Vater erklärte mir mehrmals wie sie funktioniert, ich war gebannt – und vergaß alles wieder. Als ich 20 Jahre alt war, schenkte er sie mir (dazu gab es mal wieder eine Lehrstunde in Sachen Fotografie), ich zog mit ihr nach Hamburg und knipste dieses Mal wirklich alles um mich herum: Meinen Kühlschrank von innen, meine Blumen, den Sand am Elbstrand. Dann war die Batterie leer und die alten Dinger konnte ich weder in Geschäften noch im Internet auftreiben. Seitdem zierte die Leica nur noch mein Regal. Letztes Jahr Weihnachten bekam ich sie wieder geschenkt. Dieses Mal nicht von meinem Vater, sondern von ihm. Er hatte Batterien organisiert, sie zur Reparatur gebracht, säubern lassen, das volle Programm. Ich war so glücklich und knipste wieder wild drauflos: Die Berge, den Hund, den Schnee. Beim Zurückspulen riss der Film. Und seitdem ziert die Kamera wieder mein Regal. Ich weiß, sie muss erneut zur Reparatur. Sie macht es mir nicht leicht. Aber ich habe trotzdem die Hoffnung nicht aufgegeben, dass daraus noch eine echte Liebesbeziehung wird, die endlich funktioniert.