Portrait

Leni Moretti

Fotografin

Berlin


Nach rastlosen Jahren in der Ferne, ist Leni Moretti wieder in die Heimat zurückgekehrt. In Berlin fängt sie als Familienfotografin magische Momente mit der Kamera ein und zeigt Familien mit ihren Fotos, wieviel Liebe und Glück im Alltag steckt. Und da die Kaffeeliebhaberin gerne in Cafés unterwegs ist, porträtiert sie jeden Monat mit ihrer Fotoserie „Café Storys“ kreative Café-Gründer in der Hauptstadt.

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Bleistifte

Als pragmatischer Mensch liebe ich Bleistifte und habe immer einen in Reichweite. In meinem Zuhause liegen in jedem Raum welche – kurze, lange, spitze, weiche, alle mit der gleichen Härte – 3B. Bleistifte haben etwas Zeitloses und sie sind das perfekte Schreibwerkzeug. Mal ziehe ich den Stift ganz leicht über das Papier, wenn sich ein Termin bestimmt noch einmal ändert. Mal drücke ich ihn ganz tief in meinen Moleskine für das, was bleibt. Das Schönste am Bleistift: Man kann wieder wegradieren, was nicht mehr ist. So sieht alles immer schön ordentlich aus. Da ich visuelle Harmonie brauche, habe ich immer einen Bleistift bei mir. Vielleicht mag ich Bleistifte auch deshalb so gerne, weil sie mich an meinen Vater erinnern, der Künstler ist. Immer wenn ich in seinem Atelier war, lagen dort überall Bleistifte, Zeichnungen und runde Knetradiergummis. Auch heute noch.

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Schmuck

Diese filigranen Silberschmuck-Kunstwerke habe ich aus Kolumbien, wo ich drei Jahre gelebt habe. Ich trage sie jeden Tag und fühle mich so mit dieser besonderen Zeit verbunden. Die Details in jedem einzelnen Schmuckstück sind unglaublich klein und zart. Jeder feine Silberdraht wurde komplett von Hand gearbeitet. Ich liebe nicht nur den Schmuck, sondern auch die Geschichte dahinter. Der Filigranschmuck kommt aus dem kolumbianischen Mompox, einer kleinen karibischen Stadt am legendären Magdalena-Fluss. Einst eine wichtige Handelsstadt zur Zeiten des Goldrausches, ist diese koloniale Schönheit inmitten endloser Sümpfe heute nur noch über den Fluss zu erreichen. Die Magie dieses Ortes hat Gabriel García Márquez in seinem Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ beschrieben.

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Bilderrahmen

Ich habe das Glück gehabt, bis Ende 20 alle meine vier Großeltern sehr präsent in meinem Leben zu haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Vor zwei Jahren ist mein Opa unerwartet verstorben und als ich ein paar Wochen später mit meiner Oma im Keller war, um ein paar seiner Sachen wegzuräumen, gab sie mir diesen Bilderrahmen. Mein Opa hatte ihn ihr vor mehr als 50 Jahren geschenkt, als sie sich gerade kennenlernten und er für eine Weile in eine andere Stadt ziehen musste. „Erst wenn du in der Fremde bist, weißt du wie schön die Heimat ist.“ Dieser Satz berührte mich tief. Denn nach vielen Jahren im Ausland, zog es mich 2012 in die Heimat zurück, um näher bei meiner Familie zu sein. Ich wusste, dass die Jahre, die ich mit meinen Großeltern noch haben würde, begrenzt sind.

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Prag

Mit jedem besonderen Ort, an dem ich länger gelebt habe, verbinde ich ein bestimmtes Gefühl. Wenn ich dieses Foto anschaue, fühle ich mich, wie ich mich in Prag gefühlt habe. Glücklich, unbeschwert, wohlig. Nach einem unvergesslichen Wintersemester in dieser wunderbaren Stadt, bin ich unzählige Male zurückgekehrt, meistens im Winter. Diese Aufnahme wurde während einer dieser Winterreisen nach Prag gemacht. Ich stand auf dem Marktplatz der Prager Altstadt, es war ein klirrend kalter Januartag und durch die nackten Baumäste schien schwach die Sonne auf mein Gesicht. Ich schloss die Augen und die Zeit schien stillzustehen. Dieses Foto ist für mich wie ein Fenster nach Prag, das mich zurückbringt zu diesem Moment.

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Moleskine

Dieses Gefühl, wenn mein Zeigefinger unter dem Gummiband entlang fährt, um es von dem schwarzen Mantel zu lösen. Wie meine Fingerkuppen nach dieser einen Büroklammer am Seitenrand tasten, um dann mit einem Schwung die gesuchte Seite aufzuschlagen. Wie oft ich diese Bewegung schon gemacht habe. Mein erster Moleskine ist aus dem Jahr 2002. Er steht im Regal neben den anderen 13 Moleskine-Jahresplanern. Beim Durchblättern fällt mir ein Flugticket in den Schoß. Egal, wo in der Welt ich war, ich hatte immer einen Moleskine dabei. Sie sind wie kleine Tagebücher, randvoll mit Erinnerungen, Plänen, Hoffnungen. Zwischen den Seiten klemmen alte Fotos und handgeschriebene Zettel geliebter Menschen, mit denen man ein Stück des Weges zusammen gegangen ist.