Portrait

Nicola König

Journalistin

Hamburg


ist zweisprachig aufgewachsen (Deutsch und Saarländisch). Sie liebt es, um die Welt zu reisen, immer dabei: eine Kamera, entweder Polaroid oder EOS. Damit füttert sie gelegentlich auch ihren Foto-Blog. Nicola König schreibt als freie Journalistin für diverse Magazine in der Hansestadt.

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Buch

Für ihn habe ich ein kleines Vermögen ausgegeben: Hedi Slimane. Ich besitze alle seine Bildbände, sie sind mein kleiner privater Schatz. Ich habe mich zum ersten Mal während meines Examens näher mit Slimane beschäftigt. Mein Thema lautete "Existenz" und er war Hauptbestandteil meiner Arbeit. Ich erinnere mich noch, dass ich mit meinen ersten Errungenschaften, den Bildbänden "London, Birth of a Cult" (ich musste ewig darauf warten, erst hieß es, er sei vergriffen und dann landete er glücklicherweise doch noch in meinem Briefkasten) und "Berlin" unter dem Arm aus der Uni kam, am Examenstag, und mich gleich vier wildfremde Menschen darauf angesprochen haben, voller Ehrfurcht, ob das "echte Slimanes" seien?! Ich bejahte und war stolz wie Bolle. Ruckzuck habe ich mir alle Bände geleistet.

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Siegelring

Jahrelang fristete er sein Dasein in einem Bankschließfach in meiner Heimatstadt. Er ist ein Erbstück meines Großvaters Nikolaus König, nach dem ich benannt wurde und ein absolutes für-immer-und-ewig-Stück. Da es niemanden sonst in der Familie mit den Initialen "NK" gibt, bekam ich den Ring bei meiner Geburt, zusammen mit einer goldenen Taschenuhr. Als ich nach dem Abi vom Saarland nach Hamburg zog, nahm ich ihn mit. Er war viel zu groß und musste erst enorm verkleinert werden, auch die Buchstaben wurden noch einmal nachgearbeitet. Ich kaufte mir roten Siegellack und habe genau einen Brief mit meinem eigenen Siegel verschickt, an wen weiß ich schon nicht mehr. Der Lack ist mittlerweile eingetrocknet und der Ring wieder sicher in einem Schließfach in meiner Nähe gelandet, denn er ist auch ein sehr wertvolles Erinnerungsstück an meinen Vater.

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Timer

Mein ständiger Begleiter. Er ist aus Leder, von Mulberry und mit typisch englischem Karo-Innenfutter bezogen. In ihm trage ich mein halbes Leben mit mir herum: Fotos, Briefe, Visitenkarten, Briefmarken, Geburtstagskalender, alle wichtigen Termine und Erinnerungen finden darin ihren Platz. Würde ich ihn verlieren, wäre ich aufgeschmissen, ich speichere nämlich - selbst in der heutigen Zeit - nichts in meinem Handy. Der Timer war übrigens ein Geschenk, aber nicht für mich. Mein Ex-Freund und seine mittlerweile Ex-Frau bekamen ihn vor 20 Jahren zu ihrer Hochzeit, jeder ein Exemplar, bis ich kam und mir seinen lieh - für immer.

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Schlangenhaut

Diese vertrocknete Haut einer Schlange habe ich 2005 auf den liparischen Inseln, genauer gesagt auf Filicudi, gefunden. Mein Cousin Gisbert lebt dort fast unvorstellbar ohne Strom und Wasser in einer waschechten Höhle, die nach "Schöner Wohnen" aussieht, mit Koch-Nische, Badewanne und Hängematte im Garten mit grandiosem Blick aufs Meer. Dort habe ich zum ersten Mal live gesehen, dass die Erde rund ist, der Horizont war gebogen. Ich habe Gisbert dort besucht, auch über ihn geschrieben, und bin in eine neue Welt eingetaucht. Wenn ich das Wort Paradies höre, dann denke ich immer an diese Insel und Gisberts ganz besonderes Reich. Und wenn die Welt es gerade nicht gut mit mir meint, dann denke ich mich zurück dorthin, zurück zur Stille, Einsamkeit und unberührter Natur. Die Schlangenhaut sollte ich gut aufbewahren und immer in meinem Portemonnaie bei mir tragen, dann würde es mir nie an Geld mangeln. Jedes Mal, wenn ich die in eine kleine Hülle verpackte Haut in den Händen halte, danke ich Gisbert für diesen Tipp und sehne mich wieder zurück ins Paradies. Jetzt gerade auch!

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Gemälde

In Hamburg-Blankenese gibt es eine kleine entzückende Galerie. Im Schaufenster sah ich ein riesiges Bild mit einer blonden Frau auf einem Segelboot an einem Sommertag. Dieses Bild musste ich haben! Aber ich kam zu spät, es war einen Tag zuvor verkauft worden und wartete auf Abholung. Die Enttäuschung war groß. Ich schaute mich also um und entdeckte vom gleichen Maler ein wesentlich kleineres Portrait einer dunkelhaarigen Frau. Dann aber fiel mein Blick auf das Bild oben, das in meinen Augen meine Mutter zeigt. Ursprünglich wollte ich es ihr zum Geburtstag schenken. Ich kam mit der Inhaberin der Galerie ins Gespräch und sie bot mir an, es bei ihr rahmen zu lassen. Sie hatte für sich selbst zwei ganz besondere, identische Rahmen zurückgelegt, wir waren uns aber auf Anhieb so sympathisch, dass sie mir einen davon überließ. Es passte perfekt zu meiner "Mutter" und wir waren alle vom Ergebnis begeistert. Ich so sehr, dass ich es nicht hergeben konnte, sondern behalten habe. Das Portrait mit der dunkelhaarigen Frau bekam ich übrigens wenige Wochen später von meinem Mann zum Geburtstag. Beide Gemälde haben jetzt ihren festen Platz in unserem Schlafzimmer gefunden. Mittlerweile habe ich auch den Maler, Hinnerk Bodendieck, persönlich kennengelernt, jetzt bedeuten mir die Bilder noch viel mehr, weil ich weiß, wer sie gemalt hat.