Portrait

Nina Stoltz

Journalistin

Düsseldorf


Nina Stoltz lebt und arbeitet als freie Journalistin in der Nähe von Düsseldorf. Ihre Gedanken hält sie virtuell als Fräulein Text fest.

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Visitenkarte

Das ist meine eigene und auch nicht die echte. Eine, die ich nicht herausgebe, sondern immer in der Manteltasche trage - weil sie eine Erinnerung ist. Eine Erinnerung an eine besondere Begegnung in Amsterdam. Meine Visitenkarte hinterließ ich an einem Tag im Mai in einem Café am Nieuwmarkt, zwischen Appeltaart und Thekenkrümeln in der Hand der Kellnerin. Der, für den sie bestimmt war, war schon längst fort. Ungewiss, ob er jemals an diesen Ort zurückkehren würde. Da war nur der sanfte Mut in mir. Doch: Er kam wieder, die Karte war noch da, ich natürlich nicht mehr. Gefunden haben wir uns trotzdem. Es war ein verrückter Moment, als die Nachricht in mein Postfach segelte. Anna Depenbusch sang "Alles wird gut, alles wird groß, alles wird Gold". Die Begegnung ist mittlerweile verflogen, aber sie hat ein Gefühl von Zutrauen, Vertrauen und irgendwie auch einen guten Geist hinterlassen. Ein sehr spezielles Das-soll-nie-mehr-weg-Gefühl. Deshalb gibt es diese Parallel-Karte in meiner schwarzen Manteltasche. In regelmäßigen Abständen befühle ich sie und finde das Leben gut.

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Werkschrank

Dieser Schubladenschrank stand viele Jahre im Keller meines Elternhauses, in der "hauseigenen" Werkstatt meines Vaters. Mein Vater verbrachte Stunden damit, dort zu tüfteln, zu werken, sich zu vertiefen in Filigranarbeit. Allein die Musik aus dem Radio, die durch das Kellerfenster nach oben stieg, ließ verlauten, dass er "da unten" war. In den unzähligen Schubladen verbargen sich Schrauben, Schraubenzieher, Muttern, Nägel, Fahrradschlauchkappen. Ein einziges faszinierendes Gebrauchtwarenlager. Das Schöne am Schrank: Jede Lade trägt als Beschlag das, was ehemals in ihr zu finden war - und deutet damit auf die Vergangenheit in einem Eisenwarenhandel hin. Ein fabelhafter Trick. Nach 20 Jahren nun, habe ich den Schrank zu mir geholt. Er darf jetzt auch ganz viel entgegen nehmen. Anderes Werkzeug.

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Ledertasche

Ich liebe große Taschen. Diese Liebe ist allerdings nicht darin begründet, dass ich stets unglaublich viel mit mir herumtrage, sondern vielmehr damit, dass ich sehr groß bin. Ich finde kleine Taschen stehen mir einfach nicht. Es sieht aus, als hätte ich meinen Butterbrotbeutel aus dem Kindergarten bei mir. Unglaublich dankbar war ich, als ich diese schlichte Ledertasche von Bobo Choses (übrigens ein Kinderlabel!) in einem Laden in Bonn entdeckte. Ganz zufällig. Ganz überraschend. Gar nicht auf die Begegnung vorbereitet und doch habe ich sofort gewusst: Die gehört zu mir. Kurze Zeit später schon fiel mir ein Stück Käse direkt vom Brötchen in die Tasche. Seitdem prangt ein großer Fettfleck auf ihr. Das ärgert mich bis heute.

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Emma

... im Silberrahmen auf meinem Nachttisch. Nur noch dort - und im Herzen.

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Baiserring

Der Baiserring repräsentiert meinen süßen Zahn. Ich liebe es süß. Für mich könnte ein Menü nur aus Desserts bestehen. In der Speisekarte blättere ich immer zuerst nach hinten durch. Als ich den Baisertupfen in der Schaufensterauslage sah, war klar, das ist mein Ring. Eigentlich trage ich keinen Schmuck, aber der Ring hat sich durchgesetzt. So wie es jeder Kuchen tut.