Portrait

Peter Hönnemann

Fotograf

Hamburg


Peter Hönnemann lebt in Hamburg und Paris, fotografiert Menschen und hat eine Vorliebe für Dinge, die unsere Welt verzaubern.

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Hasenmütze

Die Hasenohren-Filzmütze kam vor ein paar Jahren in mein Leben. Ich fuhr zu einem Kunst- und Partywochenende nach Berlin. Im Guggenheim Museum lief eine Ausstellung von Joseph Beuys und Matthew Barney mit dem Titel „all in the presence must be transformed“. Nach der Ausstellung fiel mir diese Mütze im Museumsshop sofort ins Auge: sie ist aus weißem Filz gefertigt, auf sehr kunstvolle Art und Weise, ohne etwas karnevaleskes. Ich kaufte die Mütze, und war sofort inspiriert, das Motto der Ausstellung umzusetzen. Ich spazierte mit meinem Freund Enzo und der Mütze auf meinem Kopf durch Berlin, und bemerkte gleich: es funktioniert. Die Gegenwart verändert sich unmittelbar, sobald mich die Hasenmütze schmückte. Dabei ist allerdings sehr wichtig, dass ich mich wie gewohnt gebe. Oft werden Menschen durch den Anblick der Hasenmütze aus ihrem Trott, ihrem gedankenverlorenen Dahintreiben herausgerissen. Sie bleiben stehen, staunen oder lächeln für eine Sekunde. Der Hase ist in der bildenden Kunst ein zentrales Motiv. Er steht für Weiblichkeit, wird mit Mondgottheiten in Verbindung gebracht und ist ein Symbol für Fruchtbarkeit, Sinneslust, Wiedergeburt und Auferstehung.

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Bald wurde die Hasenmütze Teil meines Lebens. Ich nahm mir bestimmte Situationen mit Hasenmütze vor: ein Restaurant zu besuchen, auf eine Party oder ich wagte es in eine Bankfiliale zu gehen. Ich finde es reizvoll, die Hasenmütze einzusetzen, um unsere „Normalität" mit etwas Fantastischem zu bereichern. Warum sollte das nur in gesicherten Räumen wie Kunstgalerien, Theaterbühnen Foto-/Filmstudios stattfinden? Warum ist das Irreale nur in solchen Räumen gesellschaftlich akzeptiert? Ich habe die Hasenmütze auch in meine Arbeit integriert. Manchmal habe ich sie aufgesetzt, um mein Gegenüber aufzulockern. Sie motiviert Menschen, ihre spielerische Seite zu zeigen.

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Kamera

Ich habe fast immer eine kleine Kamera dabei. Ich nehme meine Umwelt dadurch aufmerksamer wahr. Ich folge unmittelbar meiner Intuition und halte fotografisch fest, was meine Aufmerksamkeit erregt oder mich berührt. Die Fujifilm FinePix X100 ist die erste meiner kleinen digitalen Kameras, die mehr ist als eine Knipse. Die Unabhängigkeit, die ich durch sie bekommen habe, hat mein Leben bereichert! Üblicherweise arbeite ich mit einem Team von 7-10 Leuten und viel Equipment. Stylisten, Make-up-Leute, Assistenten, Digitaloperator, Lighting Equipment etc. Natürlich kann auch diese Kamera kein Team ersetzen. Aber die Abbildungsqualität ist wie bei professionellen Kameras. Und manchmal kann es bei Portrait-Sessions von Vorteil sein, wenn man kein Team dabei hat. Das schafft manchmal eine grössere Intimität, ich bin einfach dichter dran. Aber die Fuji hat noch einen anderen Vorteil: sie sieht aus wie ein Nachbau einer analogen M Leica aus den 60er Jahren, das macht sie sehr sympathisch. Eine Kamera ist ja wie eine Waffe. Wenn man eine grosse Profikamera mit Riesenobjektiv auf jemanden richtet, kann der sich jemand leicht bedroht fühlen. Diese kleine analog aussehende Kamera aber nimmt den Leuten die Scheu.

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Für Alina

Musik ist für mich die intensivste aller Kunstformen. Der Este Arvo Pärt ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten. „Für Alina“ ist Musik, die extrem minimalistisch und einfach klingt, aber dabei zutiefst komplex und berührend ist. Er lässt den Tönen ihre Zeit, zu klingen, bis sie verschwinden. Der Raum zwischen den Tönen ist essentiell. Es hat mal jemand gesagt: "Gottes Sprache ist die Stille, alles andere sind schlechte Übersetzungen." Für Alina ist für mich die schönste Musik am Rande der Stille. Ein großer Traum von mir ist es, Arvo Pärt zu portraitieren. Ich hatte einmal die Gelegenheit, ihn nach einem Konzert in Berlin kurz kennenzulernen. Leider ist eine Portrait-Sitzung ein Tabu für ihn. Er ist ein extrem verinnerlichter, tief religiöser Mensch und gibt kaum Interviews. Aber ich hoffe das unsere Wege sich noch einmal kreuzen.

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Bett

Ich halte das Bett für die größte Erfindung der Menschheit vor dem Rad. Es ist einfach ein sinnliches Erlebnis, in ein Bett mit einer hervorragenden Matratze zu springen, das Kopfkissen zu liebkosen und die seidige Glätte hochwertiger Bettwäsche auf der nackten Haut zu spüren. Im besten Fall ist so ein Gefühl, das zwischen Kühle und Wärme angesiedelt ist. Ich schlafe gern und lang. Aber selbst, wenn ich nicht schlafen kann, bin ich sehr gern in meinem Bett. Ich kann darin gut arbeiten, geschäftliche Gespräche führen, und weil es so entspannend ist, bin ich darin sehr kreativ. oder lese. Das Bett ist natürlich auch ein Ort für Sex. Nicht der einzige, aber wahrscheinlich der bequemste. Ich schlafe in einem Himmelbett – das sieht gut aus und bietet viele Möglichkeiten.

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Bild

Dies ist das letzte Bild, das ich mir gekauft habe. Es zeigt eine Frau in einem Kleid. Ich mag es sehr für seine Abstraktion, Bewegung und Dynamik, die es mit einer unglaublichen Zartheit und Feminität ausdrückt. Gemalt hat es Julia Pelzer, eine Hamburger Künstlerin und Illustratorin. Uns verbindet eine Liebe und künstlerische Seelenverwandtschaft. Ich halte sie für eine außergewöhnliche Künstlerin und sie hat meinen fotografischen Stil maßgeblich beeinflusst. Die Kunst, die ich besitze, ist meist durch Bildertausch mit befreundeten Künstlern zu mir gekommen. Aber dieses Bild wollte ich unbedingt haben bevor es in einer Galerieausstellung in die Hände eines anderen gerät.

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