Portrait

Christian Politsch

Architekt

Wien


Christian Politsch ist in der Geschäftsführung der BEHF Architekten.

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Tonbandgerät

Das Revox-Tonbandgerät habe ich von meinem Vater bekommen, als ich 16 Jahre alt war. Da war ich richtig stolz, so ein teures und technisch hochwertiges Gerät einfach von ihm geschenkt zu bekommen. Mit meiner ersten Band "Die kleinen Strolche", habe ich darauf alle Songs aufgenommen, die wir gespielt haben. Wir konnten vier Spuren darauf aufnehmen, das war Weltklasse damals. Die Bänder habe ich heute noch, aber ich habe sie nie mehr gehört. Ab und zu denke ich daran und möhte sie wieder hören. Irgendwie kommt es einfach nicht dazu. Die Bänder liegen im Keller. Das ist fast unerreichbar. Eines Tages geh ich in die Tiefen dieses alten Hauses und hole sie nach oben, in den vierten Stock. Dann spiele ich sie laut, sehr laut ab. Wenn das Revox-Tonbandgerät noch funktioniert. Da freue ich mich jetzt schon drauf.

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Prinzessinnen-Hundebild

Das ist ein Porträt von meiner Hündin Mascha. Mascha ist jetzt zehn Jahre alt und der freundlichste Hund der Welt. Mascha ist immer bei mir. Auch im Büro, jeden Tag. Manchmal kommt es mir vor, als wäre sie mein drittes Bein. So sehr ist sie immer da. Das Bild stammt von der siebenjährigen Tochter von Martin Lukasser, einem ehemaligen Projektleiter von mir. Sie hat zuerst ein Blatt mit gelben Leuchtstiften komplett ausgemalt, dann das Papier in unzählige kleine Teile zerrissen und das Porträt dann als Collage zusammengefügt. Das Interessante: Sie hat alle Muttermale und Haare, die Mascha im Gesicht hat, original und wirklichkeitsgetreu aufgezeichnet. Nur die Krone ist nicht wirklich authentisch. Ich habe sie gefragt, warum Mascha auf diesem Bild eine Krone trägt. Die Antwort war ziemlich selbstbewusst und mit einem unglaublich großem Unverständnis für meine Frage verbunden, warum ich das denn nicht von selber wüsste: "Weil sie eine Prinzessin ist". Das war vor sieben Jahren, seitdem ziert das Bild in jeder Wohnung die Rückwand von Maschas Kissen, auf dem sie sich breit und genussvoll fallen lässt. Das Bild wandert mit uns. Das Bild sagt viel über meine Hündin aus. Sie ist gelb und sie IST eine Prinzessin.

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Kenzo-Schuhe

Habe ich diese Schuhe vor 100 Jahren gekauft oder vor zehn? Keine Ahnung. Sie sind schon immer da und ich trage sie, seit ich denken kann. Sie sind für mich der Inbegriff des Männerschuhs.

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Holzkiste

Diese Kisten habe ich von Otto Steidle in München bekommen. Das war einer der wirklich sehr ernstzunehmenden Architekten, bei denen ich arbeiten durfte. Ich habe ihn sehr bewundert. Er war der Mensch, der mir gezeigt hat, das gute Architektur zu machen nicht Leid und Selbstaufgabe bedeutet, sondern "vuil Spaß" dabei ist und eine riesige Portion Lebensfreude. Einer seiner coolen Sätze gegenüber Bauherren war immer: "Ja, das ist eine ungewöhnliche Lösung, aber verdammt gut". Wir haben als Studenten seinen Bauernhof in der Toskana renoviert, dafür hat er mir sechs solcher Holzkisten aus einer alten Tabakfabrik aus der Nachbarschaft geschenkt, von denen er ein paar Dutzend gekauft hatte. Die Typo darauf bezeichnet die Tabakart, den Jahrgang und die Trocknungsart. Ich verwende sie heute noch immer als Möbel in meiner Wohnung. An eine von ihnen habe ich Rollen montiert. Sie ist ein mobiler Aufbewahrungsort geworden, für alle möglichen alten Präsentationsunterlagen. Das passt irgendwie zu der Kiste und zu dem, der sie mir geschenkt hat.

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Smoking

Diesen Smoking habe ich mir gekauft, als ich meinen ersten Life Ball in Wien besuchen wollte. Wir hatten die Ausstattung für dieses sehr große Aids Charity-Event gemacht. Ich wollte unbedingt sehen, wie tausende Leute in unserer Wasserdekoration tanzen. Jedes Jahr ist eines der vier Elemente das Leitthema - in diesem Jahr war es das Wasser. Der Anzug war teuer, ist sehr modisch und sehr, sehr schön. Ich habe mir gedacht, es muss ein Smoking sein, den ich lange tragen kann, also: zeitlos und gleichzeitig so hip, dass er mir lange nicht langweilig wird. Er ist ein Smoking, er kann das und er ist von Gucci. Ein bisschen fühle ich mich darin immer wie Tom Ford, ziemlich elegant. Und ziemlich smart. Eigentlich habe ich ihn erst zwei Jahre. Aber er ist jetzt schon ein Ding, von dem ich weiß, dass es mich mein Leben lang begleiten wird. Da bin ich mir sicher, vor allem wenn ich ihn gerade trage.