Portrait

Soo-Hi Song

Stylistin

Berlin


Soo-Hi Song hat Künstler wie Rufus Wainwright, The Drums, Sibel Kekilli oder Karoline Herfurth gestylt. Zu ihren Auftraggebern zählen Firmen wie der Condé Nast Verlag, Hermès oder der Departmentstore Quartier 206.

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Lippenbalsam

Ich habe eine große Schwäche und das ist Lippenbalsam. Ich benutze immer mehr, als eigentlich sein müsste, ich mag es, wenn es richtig schmiert. Diesen amerikanischen Lippenbalm habe ich mit 16 entdeckt, als ich zum ersten Mal in Kanada war. Die Dose sieht nach Apotheke aus, richtig gesund, die Paste ist Mädchenrosa und duftet dezent nach Rose. Ich habe wirklich alles zwischen Labello und Prada-Lipbalm ausprobiert, aber nichts macht so unendlich weiche Lippen wie Rosebud Salve. Ich muss gestehen, nicht jeder darf mit seinem Finger in diese Dose, da bin ich pingelig, das dürfen wirklich nur Freunde mitbenutzen. Immer, wenn ich Besuch aus Amerika bekomme, lasse ich mir gleich ein paar Dosen mitbringen. Ohne könnte ich einfach nicht leben.

 

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Mombasa-Tasche

Damals war ich Modestudentin und hatte meinen ersten Nebenjob im Verkauf von Yves Saint Laurent. Gleich an meinem ersten Tag entdeckte ich die Mombasa-Bag. Sie heißt so, weil das Horn von einem afrikanischen Rentier stammt, das aus Mombasa kommt. Manchmal wetzen diese Tiere sich ihre Hörner ab, die werden dann gesammelt. Jedes Horn ist anders, die Farbe, die Struktur – diese Tasche ist wirklich etwas Einmaliges. Leider kostet sie auch so viel. 695 Euro hat man als Student nicht eben flüssig. Also habe ich angefangen zu sparen. Jeden Euro, den ich übrig hatte, habe ich in einen großen Briefumschlag gepackt. Nach gut einem Jahr hatte ich es geschafft, ich ging mit meinem Umschlag voller Münzen und kleiner Scheine in den Laden und kaufte die Mombasa. Es ist meine erste Designer-Tasche, und ich liebe sie heute noch genau wie vor neun Jahren.

 

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Hermès-Tuch

Der erste große Auftrag, den ich bekam, war der von Hermès. Für mich war Hermès immer: Luxus. Nicht meine Preisklasse. Dann bekam ich den Job, die klassischen Seidencarrés so zu stylen, dass auch jüngere Leute sie tragen können. Um herauszufinden, wie ich sie am besten knoten und binden kann, habe ich viele verschiedene Tücher probegetragen. Das war der Anfang einer großen Liebe. Ich konnte mich einfach nicht satt sehen an den Farben und Details. Bis so ein Tuch fertig ist, dauert es zwei Jahre - man kann das tatsächlich nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Als ich am Ende meines Auftrags die Tücher wieder abgegeben habe, sagten sie mir: Wir möchten dir gerne ein Carré schenken. Ich hatte so einen Kloß im Hals, dass ich gar nicht sprechen konnte. Dann öffneten sie die Schubladen mit all den Tüchern und ich war einfach nur noch überfordert. Zum Glück war ein Freund von mir dabei, zusammen haben wir dieses Tuch entdeckt. Seitdem ziehe ich es fast ununterbrochen an, sogar im Club. Jedes Mal, wenn ich es ansehe, entdecke ich irgendein neues Detail, selbst Punkte, die so groß sind wie Reiskörner, haben ihren eigenen kleinen Schatten. Dieses Tuch ist die Erinnerung an meinen besten, aber auch härtesten Job und vielleicht das schönste Geschenk, das ich jemals bekommen habe. Später werde ich es an meine Töchter vererben.

 

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Ring

Dieser Ring ist von meiner Mutter. Sie hat ihn von ihrer Mama geschenkt bekommen und an mich weiter vererbt, als ich von zu Hause weg und nach Berlin gezogen bin. Ich trage ihn sogar, wenn ich in der Saune bin, ich würde ihn niemals ablegen. Als ich den Ring bekam, hat meine Großmutter noch gelebt. Ich habe sie nur vier Mal getroffen, sie hat in Korea gelebt. Nachdem ich den Ring bekam, habe ich sie nie wieder gesehen. Meine Oma war eine außergewöhnliche und sehr gläubige Frau. Sie ist jeden Tag um halbfünf aufgestanden, um für ihre ganze Großfamilie zu beten. Ich habe alleine ungefähr 30 Cousinen und Cousins, und sie hat jeden Einzelnen durchgebetet. Manchmal glaube ich, dass ich meinen Charakter von ihr geerbt habe – ich bin wahnsinnig begeisterungsfähig, mitunter übertreibe ich es damit ein bisschen. Sie war genauso. Als sie uns in Deutschland besuchte, hat sie mit 74 Jahren zum ersten Mal eine Kuh gesehen und konnte sich kaum einkriegen. Sie hat auch Eicheln gesammelt, einfach weil sie sie so unglaublich schön fand. Immer, wenn sie mit mir gebetet hat, habe ich vor Rührung angefangen zu weinen, obwohl ich nicht einmal alles verstanden habe, was sie auf Koreanisch gesagt hat. Sie war so ein guter Mensch, sie hat immer an alle geglaubt. Jetzt trage ich ihren Ring und glaube fest daran, dass er mich beschützt.

 

 

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Buch mit Widmung

Alex Kapranos, der Sänger meiner absoluten Lieblingsband Franz Ferdinand, hat dieses Buch geschrieben. Bevor er Rockstar wurde, war er Koch, in diesem Buch hat er aufgeschrieben, was sie auf Tour alles gegessen haben. Bei seiner Lesung in Berlin habe ich in der fünften Reihe gesessen. Wenn er liest, klingt es, als würde er singen. Nach der Lesung konnte man sich sein Buch signieren lassen, weil ich unbedingt als Letzte drankommen wollte, um noch ein Foto zu machen, habe ich anderthalb Stunden gewartet. Er hat mir dann nicht nur diese Widmung geschrieben, wir haben uns später auch noch in der 8mm-Bar getroffen. Natürlich mag ich auch die Musik und den Style von Alex Kapranos. Zum Groupie macht mich aber erst seine ganze Art, er ist ziemlich schüchtern und unglaublich freundlich. Durch viele Zufälle kam es, dass er mich an meinem 30. Geburtstag angerufen und mir gratuliert hat. Ich bin total durchgedreht.