Portrait

Stefanie Ramb

Regieassistentin und Taschenmanufakteurin

München


Mag Hörspiele sehr gerne und arbeitet deswegen als Hörspiel-Regieassistentin für den Bayerischen Rundfunk. Außerdem mag sie Filme und ist immer mal wieder als Kostümbildnerin unterwegs. In ihrer kleinen Werkstatt entwirft und näht sie nützliche Dinge für ihr Label "krambeutel", Mode für den eigenen und für fremde Kleiderschränke oder baut Internetseiten für Bekannte.

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Nähmaschine

In der Pubertät bin ich so in die Höhe geschossen, dass mein Kleiderschrank auf einen Schlag zu kurz, eng und absolut unpassend war. In der Zeit habe ich angefangen selbst zu nähen. Bei Mama gab es ein großes Stoffregal, Fäden, Bändchen, Reißverschlüsse und Nähzeitungen mit young fashion. An ihrer Haushaltsnähmaschine sind in Nacht-Aktionen knallgrüne Hosen mit riesigen Taschen, Kleider mit selbstgestanzten Kartoffeldruck-Mustern, jede Menge Shirts und Jacken entstanden. Nach dem Abitur habe ich erstmal eine Schneiderlehre gemacht. Dort gab es große, kräftige Industriemaschinen, die einen federleicht nähen ließen und die nicht wie Mamas Maschine über den Tisch hoppelten, wenn man ordentlich Gas gab. Nach der Ausbildung ratterte ich wieder auf Mamas Haushaltsmaschine und als ich dann mein Taschenlabel krambeutel erfand, stellte ich mir vor, wie schön es wäre, die LKW-Plane für die Taschen an einer schönen, weißen, starken Industriemaschine zu nähen, wie es sie in der Ausbildung gab. Jetzt gehört sie schon seit ein paar Jahren zu mir, meine japanische Juki. Sie kann außer geradeaus nähen auch Fäden abschneiden und von selbst rückwärts nähen und unterstützt mich bei allen Beuteln und sämtlichen Klamotten- und Kostümproduktionen.

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Tasse

Als ich für einen Winter in Stockholm studiert habe, saß ich dort gerne in einem Café, das wie ein Flohmarkt aussah. Man saß an wackligen Tischen in durchgesessenen Stühlen und konnte unendlich viel Tee trinken. Der Tee wurde in riesigen Tassen serviert, und man durfte immer wieder Wasser nachholen. Die erste Tee-Portion wurde stark und dunkel, und je mehr Wasser dazu kam, desto heller wurde der Tee. Als Andenken besorgte ich mir eine solche riesige Tasse und nahm sie mit zurück nach Deutschland. Seitdem trinke ich jeden Morgen dunklen Tee aus der Monstertasse und denke dabei an den dunklen, schwedischen, duftenden Winter.

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Schrank

Dieser Schrank ist mein allererster Schrank. Ich war noch ganz klein, als er zu mir ins Kinderzimmer kam. Er hat innen eine Stange und zwei Regalbretter. An der Stange hingen meine kleinen Kleider und Hosen und Blusen, bis die Kleider und Hosen zu lang wurden und in ein Regal ausweichen mussten oder außen und innen an der Schranktür hingen. Bis vor ein paar Wochen war das so. Jetzt gibt es einen richtigen Kleiderschrank mit genügend Platz für alle meine Klamotten und mit einer Stange, die für die Kleider hoch genug ist. Deswegen steht der alte Schrank jetzt im Flur und hat alle Rumsteh-Sachen wie Werkzeugkasten, Staubsauger, Bohrmaschine, Yogamatte und Regenjacken in seinem Bauch. Jeden, der seine Jacke hineinhängen will, begrüßt er mit einem freundlichen Klappklapp, denn so macht das gelbe, getöpferte Herz, das schon immer am Schrank-Beschlag hängt, wenn es gegen das Holz schlägt.

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Zahnseide

Ich habe mir abgewöhnt, mir zu Neujahr gute Vorsätze vorzunehmen, um dann ein paar Tage später wahnsinnig enttäuscht zu sein, sie doch nicht einzuhalten. Letztes Silvester war das ein bisschen anders, denn kurz vor Weihnachten hat der Zahnarzt zum ersten Mal in meinem Leben gebohrt. Der gewagte Neujahrsvorsatz "jeden Tag Zahnseide benutzen" hat bis auf ein oder zwei viel zu müde Abende und Nächte bisher fabelhaft geklappt.

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Schutzengel

Der Schutzengel begleitet mich schon fast mein ganzes Leben. Hinten auf dem Engelkörper steht "Stefanie 26.05.1981", mein Name und mein Geburtsdatum. Er war ein Geschenk von meinem Taufpaten und hing in meinem Kinderzimmer, bis ich von zu Hause auszog. Danach wohnte er mit mir in WG-Zimmern und passte auf mich auf. Nur während des halben Jahres in Stockholm schlief er mit all meinen anderen Sachen, die nicht mit nach Schweden konnten, in einer Umzugskiste.