Portrait

Thomas Kratky

Kreativdirektor

Wien


ist mit Weißen Haien geschwommen und mit Fallschirmen gesprungen. Kann Flugzeuge fliegen. Wurde mit 17 für volljährig erklärt. Und war jüngster Unternehmer Salzburgs. Ausbildung in Mexiko-Stadt, am Amazonas und an der Wirtschafts-universität Wien. Hat zwei Top-10 Agenturen Österreichs geführt und weltweit in 17 Ländern für Kampagnen gedreht. Zweimal die Bundespräsidenten-

wahlen gewonnen. Schon seit fünf Jahren mit eigener Agentur gemeinsam mit seinem Partner Andreas Berger. Und jetzt gerade ein neues Filmformat erfunden: www.enterbranding.com

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DAS TENORSAXOPHON

Bei der Aufnahme am Konservatorium konnte ich nur eine Tonleiter vorspielen. (Ich wurde nicht genommen.) Dann Privatunterricht. Mein Professor sagte gern: 'Auch Mozart musste üben.' Ich unterbrach mein Wirtschaftsstudium, spielte ein Jahr lang jeden Tag acht Stunden Saxophon. Nie weniger. Auch am Wochenende. Schließlich ging ich nach Paris, kaufte mir ein Sopransaxophon und setzte mich unterhalb von Notre-Dame an die Seine, um das Ding auszuprobieren. Ein Mann hörte mir eine Weile zu. Und kam dann rüber. Um zu sagen, wie hübsch ich gespielt hätte. Das war mein bester Moment am Instrument. Mein zweitbester Moment war in einem Pariser Jazzlokal. Der Mann am Bass bekam einen Herzinfarkt und fiel um – und die Band spielte weiter, so schön und himmlisch wie nie zuvor. Ich glaube, um ihm den Übergang zu erleichtern. (Der Mann überlebte.) Mein Großvater spielte sechs Instrumente. Und mein Vater lernte noch am Mozarteum Klavier und Gesang. In seiner Heiratsurkunde stand: Sänger. Bis nach Hamburg ist er raufgereist, um vorzusingen. Wenn wir einander im Himmel begegnen, spielen wir zusammen. Irgendwas von Dean Martin oder Archie Shepp.

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DAS TEAMROYAL T-SHIRT

Die Geschichte ist einfach. Ich machte meinen Sohn (mit wesentlicher Beihilfe meiner Frau). Und der machte mir ein T-Shirt. Gut, es gibt vielleicht einfachere Wege, zu einem Shirt zu kommen. Aber keinen schöneren. Und auch kein schöneres T-Shirt. Ein Produkt der Liebe. Zwischen meinem Sohn und seiner Freundin, Katharina. Die studiert Mode in Berlin. Und so gesehen ist die Geschichte vielleicht doch nicht so einfach. Aber sicher: sicher ist, dass ich dieses 'TeamRoyal' T-Shirt tragen werde, wenn es ans letzte große Abenteuer geht. Die allerletzte Reise. Ich meine, bevor das richtige Reisen erst so los geht, Sterne, Himmel, Schwarze Löcher, wer weiß, wo ich überall hinkomme. Jedenfalls, davor brennt man irgendwo in einer Holzkiste lichterloh und da braucht man sich nicht warm anzuziehen oder mehr als ein T-Shirt mit einer lässigen Jeans tragen. Wobei mir ja auch eine Seebestattung recht wäre. (Dann mit meiner roten Prada Nylon-Badehose, bitte, und meinem T-Shirt.) Oder mit einem Flugzeug (so hab ich mir das als Kind immer vorgestellt): noch einmal ein richtig großes Loch in den Boden machen. Krawumm.

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DIE HEARTMADE THINGS KUSCHELDECKE

Die Geschichte ist die: wenn ein Baby auf die Welt kommt, gibt es Geschenke (obwohl das ohnehin so ein wunderbares Geschenk ist – für die Betroffenen und für den Generationenvertrag). Nun, und wer abseits des Tiffany-Löffels in Silber oder des Schutzengels in Gold etwas Bleibendes schenken mag, der könnte mit Freude zur Heartmade-Things-Kuscheldecke greifen. Die kuschelt bis zu 20 Jahre ohne Unterbrechung. Und vielleicht auch noch länger. Sie haben Sorgen? Liebeskummer? Wirtschaftliche Probleme? Nichts, was Kordulas Kuscheldecke nicht innerhalb weniger Augenblicke wieder gut machen könnte. Einfach reinkuscheln und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Ist er ja, grundsätzlich. Vielleicht sollte man ihm trotzdem eine mitnehmen oder gerade deshalb.

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DAS FÃœLLFEDERN-LOGO

Ich kann schreiben. So, dass man in Folge darauf Bundespräsident wird. Oder eine erfolgreiche Bank. Jedenfalls, das geht. Mit Füllfeder oder Schreibmaschine. Ja, auch mit Computer. Schuld ist meine Frau: die sagte, wenn ich schon zu arbeiten beginne, dann soll ich etwas machen, das mir  wirklich Spaß macht. Ich müsste nämlich eine ganze Zeit lang arbeiten. Davor hab ich nur Gedichte geschrieben. Am Strand in Brasilien. Aber sie sagte, davon kann man keine Familie ernähren (und Zweig hat sich dort entleibt). Also, schrieb ich. Bis heute. Mein Logo hatte schon immer gekreuzte Füllfedern. Das letzte hat mein Sohn gemacht. War 'ne Auftragsarbeit. Hab Geld dafür bezahlt, 'ne Rechnung bekommen und in Steuererklärung gegeben. Ich sage nie: Ich liebe etwas. So wie viele Menschen, die den ganzen Tag herumlaufen und schreien: ich liebe diesen Prosecco. Oder: Ich liebe diesen Rock. Ich liebe diese Stadt. Ich liebe dieses Wetter. Nein. Ich liebe die Frauen. Und vielleicht, vielleicht, vielleicht: mein Füllfedernlogo. (Danke, Merlin!)

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DIE VESPAS

Nun, ich habe zwei Vespas. Eine fürs Herz und eine für den Großstadtverkehr. Erstere ist eine dunkelblaue 200er PX, das Vespamodell meiner Jugend, die ja bekanntlich ewig andauert. Die 200er war damals die schnellste Vespa. Und die Mädels setzten sich verdammt gerne drauf. (Ich hatte damals keine, ... aber ich hab's gesehen!) Zweitere ist eine 300er in Knallrot. Ist heute die schnellste. Muß man schnell sein? Nun, dazu gibt es zwei Einstellungen. Erstere sagt, wer schnell ist, ist früher da. Zweitere, wer schnell ist, ist früher tot. Kein wirklicher Widerspruch. Da sein, würde ich jetzt beispielsweise am liebsten in Verona, in der kleinen Gasse, die sich perfekt fürs Abstellen der Blauen eignet, vis-a-vis des Restaurants Antica Bottega del Vino, dort, wo sie das weltbeste Amarone Risotto zubereiten. Und bevor sie wieder 'La Donna e mobile' in der Arena singen, trinken wir doch noch mindestens eine Flasche von dem göttlichen Getränk. Wann hätten Sie Zeit, gnädiges Fräulein? Ich trete schon mal den Kickstarter.