Portrait

Tina Oelker

Künstlerin

Hamburg


Die Jagd und das Wild sind zentrale Motive in Tina Oelkers Kunst: Seit 2007 arbeitet sie an ihrem Projekt „1ooo* Hasen limited edition“, und malt das bedeutungsreiche Tier in allen erdenklichen Facetten. Sehen kann man sie und ihre Werke im Hafentor 7, wo sie ihren Kunstraum „Hasenmanufaktur“ betreibt, oder auf ihrer website www.tinaoelker.com

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Zylinder

Mitte der Neunziger habe ich ein Jahr in New York gelebt – und eines Tages in Soho am West Broadway diesen klassischen amerikanischen Zylinder gefunden. Ich fand ihn grossartig, und der Besitzer des Ladens bestellte einen in meiner Grösse. Am nächsten Tag holte ich ihn ab – und von da an gehörte der Zylinder zu meinem Ausgehoutfit: einem roten Mantel, dazu rote Seidenhandschuhe, Gamaschen und eine rote Sonnenbrille. Mit dem dandyhaften Stil bin ich in jeden Club reingekommen. Wenn die Türsteher mich sahen, winkten sie mich gleich an der Warteschlange vorbei und riefen so Sachen wie „Come in, I'll see you in the VIP lounge“. Sie nannten mich „the girl with the top hat.“

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Säge

Ein Werkzeug, das ich liebe. Meine Gehrungssäge, mit der man Holz im 45°-Winkel sägen kann, ist für mich sehr wichtig, denn ich baue alle meine Leinwände selber. Ich hatte auch mal eine elektrische, die war laut und so schnell, das einem die Holzspäne nur so um die Ohren geflogen sind. Diese altmodische Gehrungssäge ist viel besser. Die handwerkliche Arbeit des Rahmenbauens und das Bespannen und Grundieren der Leinwände macht mir Spass. Es weckt mich morgens auf und wärmt mich in meinem unbeheizten Atelier auf.

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Manschettenknöpfe

Sie sind ein Erbstück von meinem Opa, den ich sehr mochte. Wenn er sich fein angezogen hat, gehörten diese Manschettenknöpfe grundsätzlich dazu. Ich habe als Kind viel Zeit mit meinem Opa verbracht und mich immer wohlgefühlt bei ihm. Er war Steiger und hat in einer Zeche in Dortmund unter Tage gearbeitet. Wenn wir zusammen Zeit verbracht haben, wurde nicht viel geredet, wir haben uns wortlos verstanden. Meistens hat er in seiner schönen Schrift Briefe geschrieben und ich habe gezeichnet. Dazu gab es schwarzen Tee mit Milch und Rum.

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Buch

Als ich etwa 10 Jahre alt war, bekam ich dieses Buch mit den Sagen des klassischen Altertums von meinem Patenonkel geschenkt. Ich war sofort fasziniert von den schönen Statuen. Als wir auf Klassenreise in Berlin waren, bin ich bei irgendeinem Museumsbesuch ausgebüchst, um mir die Statuen im Pergamonmuseum allein anzuschauen. Später haben mir die Sagen in diesem Buch inhaltlich geholfen, als ich meine Diplomarbeit an der Armgartstrasse/HAW Hochschule für angewandte Wissenschaften über das Thema „Der Hase als Motiv in Kunst und Kultur“ geschrieben habe. Der Hase war schon in der Antike ein Symbol für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Er war Attribut der Aphrodite und ein beliebtes Geschenk unter Liebespaaren. Vielleicht sagen wir deswegen noch heute „mein Hase“ zu jemandem, den wir lieben?

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Locher

Der alte, grosse Leitz Locher ist ein Erbstück von meinem Vater. Ein wunderschönes, schweres Teil. Mein Vater war ein handwerklich begabter Mensch, und hat als Goldschmied gearbeitet. Ich erinnere mich noch gut an den Geruch in der Werkstatt, Goldschmiede arbeiten ja mit fiesen Lösungsmitteln und Säuren. Heute verbreite ich ähnliche Gerüche in meinem Atelier, wenn ich die Ölfarben mit Terpentin auswasche.