Portrait

Stefanie Luxat

Journalistin

Hamburg


Stefanie Luxat arbeitet als freie Journalistin, u.a. über Themen aus den Bereichen Living, Food, Reise und Leben. Darüber bloggt sie auch auf "Ohhh...Mhhh...".

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Ratgeber

Sie ist so simpel und doch so schwierig: die Liebe. Die echte, nicht die gespielte. Nur, um die Spieler zu erkennen, braucht es oft Jahre, rennt man vor Sehnsucht am Spielfeldrand hin und her. Ich eilte da auch lang: Schwester Stefanie, stets bemüht um das Wohlergehen des Mannes, den ich so gern lieben wollte, er mich aber nicht. Irgendwann gab es bei Sex and the City eine Folge, in der es darum ging, dass endlich mal jemand sagt, wie es wirklich ist: Wenn der Kerl nicht alles tut, um dich (und nicht nur sich) glücklich zu machen, dann "Fuck off", dann heißt es: "He´s just not that into you". Ein paar Monate später gab es von den Autoren der Sendung das passende Buch. Und ja, ich schwöre beim Leben meines Ehemannes, es hat mich geheilt. Es hat mir das Schwesternhäubchen abgenommen, eine Messlatte gesetzt, die ich niemals wieder unterschreiten würde, und schon stand er da und ich konnte ihn erkennen: den Richtigen, meinen Ehemann, den es glücklich macht, mich glücklich zu machen. Und umgekehrt.

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Ring

Als wir am zweiten Weihnachtstag 2010 bei meinen Schwiegereltern saßen und die Rosinen aus dem Stollen pulten, ließ es sich in unserer Wohnung ein Einbrecherteam von circa vier Personen gut gehen. Sie nahmen die Sporttasche meines Mannes und befüllten sie mit allem, was ihnen gefiel: Laptops, iPods, mein gesamter Schmuck, jegliche Parfums und Kosmetik, unsere Geschenke, die wir hübsch ausgebreitet hatten auf dem Esszimmertisch. Sie rissen auch die noch verpackten unterm Weihnachtsbaum auf, was ihnen nicht gefiel, schmissen sie zurück, den Rest nahmen sie mit. Die Polizei war begeistert. "Das käme selten vor", sagten sie voller Bewunderung, "dass gehebelt und gebohrt wird bei einem Einbruch!". Sie riefen: "Kommt alle her, seht euch das an!". Wir waren Einbruchsanfänger, wir wussten nicht, dass Weihnachten die beliebteste Zeit ist. Der Schlüssel-Notdienst musste Daheim eins seiner Schlösser ausbauen, um uns zu sichern. "Und seien sie ein bisschen wachsam die nächsten Tage", riet uns der Kripo-Beamte. "Die kommen gern zurück, wo es ihnen gefallen hat, auch weil sie ja dann Geld von der Versicherung bekommen!". Eine Woche nach dem Einbruch lag ein Umschlag in unserem Briefkasten. Von der Großmutter meines Mannes: Trautje, 88. "Ich weiß, wie es ist, alles zu verlieren", schrieb sie, mir strömten die Tränen übers Gesicht. "Deshalb schenke ich dir diesen Ring."

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Kladden

Meine erste Liebe war meine Freundin Imke. Sie war so cool wie sonst niemand auf der Welt. Ich war 16, sie 19. Sie rauchte, ich dann auch. Sie trug einen selbstgemachten Kalender mt sich herum, der so liebevoll beklebt und beschriftet war, dass die fabelhafte Amelie dagegen einfallslos wirkt. Als ich meinen ersten von ihr gemachten Kalender zu Weihnachten geschenkt bekam, stand meine Welt für eine Sekunde still. Mein Herz auch. Beide explodierten anschließend vor Freude. Jetzt war ich auch cool, wir zusammen. Wir befeuerten die Welt mit Ideen und Träumen von einem kleinen Dorf in Ostfriesland aus. Gemalt, gebastelt, festgehalten für ewig. Es wurde ein Ritual: Zu Weihnachten bastelten wir dem Anderen seinen Wegbegleiter fürs nächste Jahr. Irgendwann schrieb ich auf die Kante: "Deep, deep dream, please come true!". Und er tat es: Ich ging nach Hamburg, wurde Journalistin, lernte den Mann meines Lebens kennen und meine Freundschaft zu Imke hielt, über Kilometer hinweg.

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Tasche

Ich sah sie im Urlaub vor ein paar Jahren. Sie hing in der schönsten Boutique der schönsten Straße im schönen Kopenhagen. Sie machte mich unglaublich nervös. Ihre Schönheit. Ihre Haut, ich musste sie die ganze Zeit anfassen und flüsterte dabei "Marc. Marc Jacobs". Nur ihr Preis machte mich fertig: 500 Euro. Unfassbar, für eine einzige Tasche. Bisher hingen bei mir Zuhause nur gut gemachte Fakes von Zara und Mango. 500 Euro. Ich tänzelte durch die Boutique, um meinen Mann herum, der immer sagte: "Mach´s doch ruhig, es ist viel Geld, aber du arbeitest doch auch viel". 500 Euro. Wir ließen sie zurücklegen, ich dachte, vielleicht ist sie im echten Marc Jacobs-Store günstiger - nein. 500 Euro. Ich konnte nicht aufhören, an sie zu denken. Wie sehr sie mein Leben verschönern würde. Was wir zwei alles gemeinsam erleben würden. Sie wäre immer an meiner Seite, nichts könnte mir mehr passieren. 500 Euro. Am nächsten Tag tat ich es. Mit zittriger Hand zückte ich die EC-Karte. Sie packten sie ein. Ich traute mich nicht, sie auszupacken. Als ich es tat, benahm ich mich völlig bekloppt. Regnete es, hielt ich sie unter den Regenschirm, nicht mich. Als ich im Auto entdeckte, dass meine neue Jeans auf sie abgefärbt hatte, bekam ich Atemnot, zwang meinen Mann, rechts ran zu fahren und sich um die Tasche zu kümmern, nicht um mich. Irgendwann habe ich mich entspannt, seitdem führen wir ein schönes Leben zusammen. Ihr Preis ist fast vergessen, beziehungsweise eingenordet. Gerade habe ich mich in eine Chloé-Tasche verliebt. 1100 Euro. Ich werde ganz nervös.

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Blogs

Ich bin ein Spätzünder in Sachen Blogs. Erst vor etwa drei Jahren habe ich sie für mich entdeckt. Aber als der Zeitpunkt gekommen war, ging wie in so einem schlechten Science-Fiction-Film die Tür zu einem anderen Universum auf. Ich dachte: "Krass, hier hat sich die Kreativität also versteckt, ja Wahnsinn!". Seitdem lass ich mich von diversen Blogs für mein Leben, den Job, vieles inspirieren. Und seit gut zwei Jahren blogge ich selbst. Was ich zu Anfang extrem seltsam fand. Ich verkrampfte mich in meiner Sprache und meinen Ideen. Gab mir ein Pseudonym und ein Bild mit Sonnenbrille und Kapuze. Fragte mich: Will das überhaupt jemand wissen? Was tue ich hier eigentlich? Bin ich peinlich? Und wird jemand auf mich schießen, falls ihm nicht gefällt, was ich da schreibe? Man hört ja fiese Sachen über das Internet. Bisher hat mich niemand umgebracht. Ganz im Gegenteil. Ich habe die Kapuze zurückgestreift, die Sonnenbrille abgenommen und übe mich darin, ich zu sein. Und das zu tun, was ich wirklich mag. Auch wenn die Pissnelke Photoshop nicht so will wie ich oder meine Kamera mir sagt: "Zu dunkel hier, haste schön gekocht, kann ich jetzt aber beim besten Willen kein schickes Bild von machen!". Damit ich die zwei dann nicht zusammenschlage, hängt in meiner Küche das Bild: "I love you, Blogs and Coffee".